• Daniel Grobet

Hommage an Daniel Grobet

Daniel Grobet, der Bildhauer, der Erfinder der ‘Attrape-feux’ ist am 1. Februar 2017, kurz vor seinem 81. Geburtstag in Bagnols-sur-Cèze gestorben.

Daniel, der an seinem ‘Künstleramboss’ Ideen zu Meisterwerken schliff, lebte mit uns in Bevaix.

Wer erinnert sich nicht an sein Atelier ‘chemin des Murdines’, an seine lebendigen Beiträge innerhalb der Partei und sein eindeutig sozialistisches Engagement? Nicht zu vergessen, dass er einmal Pfarrer in Paris und auf Korsika war. Als Daniel im Land der Sonne und des Lichts seine Kirchentüre hinter sich schloss, ging er das Risiko ein, dessen sich jeder Künstler bewusst ist: Es ist nicht selbstverständlich, sich von der Kunst ernähren zu können.

Damals machte er sich auf, in das Metier der Bildhauerei einzusteigen, um sich wie andere Künstler dem spirituellen Aufruf hinzugeben, seine Spuren in der Geschichte zu hinterlassen. Daniel war offen für den Weg, auf dem man mit Werkzeugen betet: Pinsel, Instrumente für die einen, Hammer, Zangen, Metallsägen, Schweissgerät, Trennscheiben für andere, etwa Calder, Tinguely und eben Daniel Grobet.

Künstler, die ihren Werken diesen faszinierenden Aufschwung zur Bewegung, zum Gleichgewicht, zum Mobile geben. Künstler, die uns durch Phänomene der Spannung, der Biegungen, der Schwerkraft ihre inneren Realitäten zu entdecken und zu spüren geben. Daniel Grobet ist einer von denen, der in dieser Tradition aufgewachsen ist und uns dieses Erbe weitergibt.

Eindeutig hat er sich abgesetzt vom ‘Meister’ (Calder), um seinen ganz persönlichen, ganz eigenen Ausdruck zu entfalten. Vorerst durch die ‘Attrape-feux’, Kunstwerke, deren Licht zum Himmel strahlen wie Hoffnungsschimmer.

Was die ’Mobiles’ von Calder anbelangt, ist ihm dieses Wissen vielmehr zugefallen. Daniel sagte selber in einem Interview: ‘Das Gleichgewicht, die Bewegung, das Spiel von Licht und Schatten, generiert durch einfache Kräfte wie Wasser, Wind, Sand, Feuer faszinieren mich. Deshalb habe ich diese Elemente zum Zentrum meiner Forschung gemacht. Dies entspricht meiner Art, die Welt wahrzunehmen, wie sie sich um sich selbst dreht, wie die Menschen versucht haben, sich niederzulassen, ihren Ort zu finden zwischen Glück und Misere. Ich versuche diese Phänomene ins Visuelle zu übertragen, denn dieses Gleichgewicht suchen wir unser ganzes Leben lang – physisch und psychisch. Diese Suche beginnt mit unserem ersten Schritt. Für mich wird das Gleichgewicht von Bewegung begleitet, welche die Sichtweise des Objektes immer wieder verändert – das Objekt wird zu einer bewegten Form im Raum. Im Grunde forme ich das Eisen nicht – ich falte, hämmere, biege es und versuche, durch die Harmonisierung der Linien den Raum zu gestalten.’

Das Werk, das uns Daniel Grobet hinterlassen hat, mit all den Raum ergreifenden mobilen Skulpturen, zieht unseren Blick auf kreisförmige Bewegungen, am Boden rollende Formen, Linien, die sich erheben, um sich mit unserer Phantasie und Vorstellungskraft zu verbinden. Es werden uns Rhythmen, Schwingungen, Kadenzen nahegebracht – ‘Cadences‘ so war übrigens der Titel seiner letzten Ausstellung in Neuchâtel 2006.

Daniel hatte viele Freunde in der schönen Gegend rund um Neuchâtel, immer wieder kam er gerne zurück mit seiner Frau Birgit. In der Aussage seines Lebens als Künstler und gläubigen Menschen finden wir noch mehr als Integrität: Als sein Freund bin ich einer von denen, die dies in verschiedener Hinsicht ermessen können, wie sehr Gleichgewicht, Menschlichkeit, Harmonie, Kohärenz im Zentrum seines Wirkens standen. Ein Leben im Dienste einer Aufgabe, einer Vision von Hoffnung, in welcher Achtung, Liebe, Gerechtigkeit immer präsent waren in Daniels Art, seine Beziehungen zu leben.

Er gehört zu denen, die als Nachfolger zahlreicher Wissenschaftler und Künstler seinen Platz eingenommen hat, der heutigen Zeit ins Auge schauend und uns ermöglicht, immer wieder in eine andere Welt einzutauchen und einen Augenblick Distanz zu nehmen von der uns auferlegten Realität.

‘Wie schön ist es, einfach vor den Skulpturen zu stehen, den langsamen, weichen Bewegungen zu folgen und sich für einen Augenblick zu entfernen aus der so schnellen Welt.’
Odile de Frayssinet, Bildhauerin.

Jean-Pierre Roth, ehemaliger Pfarrer von Bevaix